{"id":6064,"date":"2026-02-18T11:31:14","date_gmt":"2026-02-18T10:31:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danielasuhr.de\/?p=6064"},"modified":"2026-02-18T12:16:02","modified_gmt":"2026-02-18T11:16:02","slug":"die-april-amnesie-warum-wir-uns-die-internationalen-wochen-gegen-rassismus-sparen-koennen-wenn-wir-danach-so-weitermachen-wie-bisher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielasuhr.de\/en\/die-april-amnesie-warum-wir-uns-die-internationalen-wochen-gegen-rassismus-sparen-koennen-wenn-wir-danach-so-weitermachen-wie-bisher\/","title":{"rendered":"Die \u201eApril-Amnesie\u201c: Warum wir uns die Internationalen Wochen gegen Rassismus sparen k\u00f6nnen, wenn wir danach so weitermachen wie bisher"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" data-path-to-node=\"5\">Es ist wieder so weit. Der M\u00e4rz steht vor der T\u00fcr und mit ihm die <b data-path-to-node=\"5\" data-index-in-node=\"66\">Internationalen Wochen gegen Rassismus<\/b>. Pl\u00f6tzlich wird es bunt in den sozialen Netzwerken. Beh\u00f6rden, Unternehmen, Redaktionen sowie Journalist*innen entdecken ihr Herz f\u00fcr die Menschenw\u00fcrde. Es werden Hashtags geteilt, Statements gepostet und man klopft sich gegenseitig f\u00fcr die eigene Weltoffenheit auf die Schulter. Doch als Trainerin f\u00fcr Antidiskriminierung und als jemand, der tagt\u00e4glich gegen die Mauern unserer b\u00fcrokratischen und medialen Strukturen rennt, frage ich mich:<\/p>\n<p data-path-to-node=\"6\"><b data-path-to-node=\"6\" data-index-in-node=\"161\">Was passiert eigentlich am 1. April?<\/b><\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"7\"><b data-path-to-node=\"7\" data-index-in-node=\"0\">Der Kater nach dem Hashtag<\/b><\/h3>\n<p data-path-to-node=\"8\">Meine Erfahrung zeigt: Meistens passiert gar nichts. Sobald die Banner wieder im Keller verschwinden, kehrt die \u201eApril-Amnesie\u201c ein. Dann wird in den Medien wieder ungeniert rassistische Sprache benutzt, dann verstricken sich Entscheidungstr\u00e4ger*innen wieder in absurd-grausamem Beh\u00f6rden-Ping-Pong um Sterbeurkunden aus dem Globalen S\u00fcden, und dann werden qualifizierte Fachkr\u00e4fte wieder auf ihre Herkunft reduziert, statt auf ihre Kompetenz.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"9\">Warum ist das so? Weil wir uns weigern, an die Wurzel des \u00dcbels zu gehen.<\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"10\"><b data-path-to-node=\"10\" data-index-in-node=\"0\">Rassismus ist kein \u201eUpsi\u201c, sondern unsere DNA<\/b><\/h3>\n<p data-path-to-node=\"11\">Wir m\u00fcssen endlich aufh\u00f6ren, Rassismus als individuelles Fehlverhalten von ein paar \u201eb\u00f6sen Menschen\u201c zu betrachten. Das ist zu einfach und \u2013 ehrlich gesagt \u2013 ziemlich feige.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"12\">Rassismus ist die <b data-path-to-node=\"12\" data-index-in-node=\"18\">koloniale DNA<\/b> unserer Gesellschaft. Es ist ein tief sitzendes, unsichtbares Betriebssystem, das unsere Beh\u00f6rden steuert, unsere Sprache pr\u00e4gt und unsere Wahrnehmung verzerrt. Wir sind alle in diesen Strukturen aufgewachsen. Es ist Teil unserer Sozialisation. Und genau deshalb verschwindet es nicht durch ein paar bunte Aktionswochen.<\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"13\"><b data-path-to-node=\"13\" data-index-in-node=\"0\">Schluss mit der Berieselung<\/b><\/h3>\n<p data-path-to-node=\"14\">Ich frage mich ernsthaft: <strong>F\u00fcr wie dumm wollen wir uns eigentlich gegenseitig verkaufen?<\/strong> Wollen wir echte Ver\u00e4nderung oder wollen wir uns nur kurz gut f\u00fchlen, bevor wir wieder in die alten Muster verfallen?<\/p>\n<p data-path-to-node=\"15\">Echte Professionalit\u00e4t bedeutet heute nicht, im M\u00e4rz ein Banner aufzuh\u00e4ngen. Sie bedeutet:<\/p>\n<ul data-path-to-node=\"16\">\n<li>\n<p data-path-to-node=\"16,0,0\">Den <b data-path-to-node=\"16,0,0\" data-index-in-node=\"4\">Mumm<\/b> zu haben, die eigene Privilegiertheit als Wei\u00dfe*r Akteur*in zu hinterfragen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p data-path-to-node=\"16,1,0\">Das <b data-path-to-node=\"16,1,0\" data-index-in-node=\"4\">R\u00fcckgrat<\/b>, rassistische Sprache im eigenen Team konsequent zu benennen und zu unterbinden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p data-path-to-node=\"16,2,0\">Die <b data-path-to-node=\"16,2,0\" data-index-in-node=\"4\">Bereitschaft<\/b>, Strukturen einzurei\u00dfen, die nur dazu da sind, Menschen auszugrenzen, zu kontrollieren und \u00fcber sie zu bestimmen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3 data-path-to-node=\"17\"><b data-path-to-node=\"17\" data-index-in-node=\"0\">Was ich mir f\u00fcr den April w\u00fcnsche<\/b><\/h3>\n<p data-path-to-node=\"18\">Ich w\u00fcnsche mir, dass wir den M\u00e4rz als das nutzen, was er ist: Ein Trainingslager f\u00fcr alle B\u00fcrger*innen, Kolleg*innen und F\u00fchrungskr\u00e4fte. Ein Ort zum Verlernen. Aber der eigentliche Wettkampf, der Einsatz f\u00fcr eine gerechte Welt auf Augenh\u00f6he, der findet im April statt. Und im Mai. Und im Dezember.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"19\">Wer nur im M\u00e4rz \u201egegen Rassismus\u201c ist, hat das Problem nicht verstanden.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"20\">Lassen wir das Posten sein und fangen wir an zu arbeiten. Ich bin bereit. Sind Sie es auch?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist wieder so weit. Der M\u00e4rz steht vor der T\u00fcr und mit ihm die Internationalen Wochen gegen Rassismus. Pl\u00f6tzlich wird es bunt in den sozialen Netzwerken. Beh\u00f6rden, Unternehmen, Redaktionen sowie Journalist*innen entdecken ihr Herz f\u00fcr die Menschenw\u00fcrde. 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